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Fremdgekocht – dazugelernt.

15.01.2009 vonFranz

Irgendwie koche ich immer fremd. Tausende von Ideen, Bildern, Geschmackserinnerungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte bei mir angesammelt, irgendwas beschnuppert, irgendwo verkostet, irgendwann gekocht. Habe ich wohl jemals etwas völlig Neues, nie Dagewesenes auf den Teller gezaubert? Wohl kaum und dennoch schon.
Kochen ist wie Malen: gib allen die gleichen Farben, Pinsel und Papier – dennoch wirst du nicht zwei gleiche Bilder bekommen. Ob Pinsel oder Löffel: Willkommen in der Welt der Kunst.

Wozu also Rezepte? Na, zum Beispiel fürs Archiv und als Gedächtnisstütze. Und natürlich, um das Handwerk zu erlernen. Trotzdem sollte man nicht erwarten, selbst eigene Kreationen auch nur zweimal absolut gleich hinzukriegen. Ich finde das gut so, weil spannend. Und schließlich bin ich kein Profikoch, vor deren täglicher Perfektion ich bewundernd den Hut ziehe. Also nur Mut zum eigenen Versuch und bloß keine Angst vor dem Original.


Petra hatte vorgelegt: In Marsala geschmorte Entenkeulen. Superköstlich, muss ich gestehen. Und wenn man die knusprig angebratenen Keulen so auf dem Gemüsebett plaziert, dass die Haut nicht aufweicht, die Unterseite der Keulen aber langsam zart schmort, wird man mit großem Genuss belohnt.


Auch die Schmorflüssigkeit ist köstlich, wenn es mir auch selten gelingt, zur rechten Zeit ein sämiges Sößchen daraus zu zaubern. Irdendwann ist das Fleisch fertig und perfekt zum Verzehr, somit keine Zeit mehr für langes Einkochen und Aufmontieren des Bratfonds. Deshalb bereite ich die Soße lieber separat zu, aus weiteren Zutaten, die ich extra dafür kaufe.

Beim Rotkraut bin ich Petra auch gefolgt und habe ihr Rotkraut mit Balsamico nachgekocht. Den Anisgeschmack fand ich etwas zu “weihnachtlich” schwer, andere waren davon ganz begeistert.

Statt Püree wollte ich Kartoffelknödel dazu haben. Bolli hatte ein neues Rezept vorgestellt, das ich jedoch traumwandlerisch sicher vermasselte. Kartoffelknödel, ob aus rohen, gekochten Kartoffeln oder halb und halb, bleiben für mich Teufelskram (in meiner Küche) und Wunderwerk (bei anderen). Bei mir werden sie zu grau, zu schmierig, zu fest. Selbst die Knödel aus dem Discounterpulver schlagen meine Horrorkugeln in jeder Disziplin. Poletto nöhlte letztens, das Fertigpulver wäre gar nicht schlecht, und Schuhbeck grunzte Zustimmung. Außerdem könne man ja etwas frische Kartoffeln untermischen. Beim nächsten mal gibt’s also wieder sowas oder ich greife zum bewährten Serviettenknödel.

Die Entenkeulen hatte ich mir aus der Metro mitgebracht und konnte auch bei den nebenan liegenden Entenbrüstchen nicht widerstehen.
In der ersten Ausgabe der neuen Effilee hatte ein Niedrigtemperaturrezept für Entenbrüste meine Fantasie angeregt. Das galt es jetzt auszuprobieren:


Entenbrust mit Niedrigtemperatur gegart

Sehnen und überschüssiges Fett der Entenbrüstchen entfernen.
In einem Topf 2 l Wasser mit 60 g Salz, einem Lorbeerblatt, einem Sternanis, einem Teelöffel Szechuanpfeffer (rosa Pfefferkörner) und 5 Nelken aufkochen, von der Platte nehmen.Die Bruststücke hineinlegen, einige Sekunden warten, wieder herausnehmen.
Das Wasser erneut zum Kochen bringen, von der Platte nehmen.
Die Bruststücke wieder ins Wasser legen, Deckel aufsetzen und 60 min. abseits des Herdes stehen lassen.


Dann Bruststücke herausnehmen, abkühlen lassen, abgedeckt gekühlt aufbewahren.

Die Bruststücke dann wieder Zimmertemperatur annehmen lassen.

Haut rautenförmig einschneiden und auf der Hautseite in Butter braten, bis sie knusprig ist, dann wenden und 1-2 min. weitergaren.

Vor dem Anschneiden mindestens 10 min. warmstellen.

Klingt simpel, ist einfach, funktioniert perfekt und schmeckt köstlich. Das Fleisch ist zart und äußerst saftig, durch und durch wunderbar gewürzt.
Das zweimalige Aufkochen des Suds kann man sich übrigens sparen.


Rotkraut war noch da. Die Knödel habe ich zu Würfeln geschnitzt und allseitig gebraten, das versöhnte ein bisschen.


Dazu Reste von der Entenkeule auf Feldsalat. Mit gelben Linsen, kross gebratener Entenhaut und Scheibchen von schwarzen Nüssen. Nicht schlecht.

Nach der gleichen Niedrigtemperatur-Methode habe ich auch perfekte Hühnerbrüstchen hingekriegt. Die waren auch nach zwei Tagen im Eisschrank noch wunderbar saftig.
Fremdgekocht – dazugelernt.

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11 Responses to “Fremdgekocht – dazugelernt.”

  1. Sebastian sagte:

    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Das sieht alles köstlich aus und die Ente scheint wunderbar saftig zu sein. Besodners gut finde ich die eckigen Klöße!

  2. Bolli sagte:

    ich bewundere Dich, ich bin nicht so dizipliniert und kann einfach keine Rezepte genau nachkochen…
    übrigens, das mit den grauen Kartoffelgalettes ist mir selber auch an Weihnachten passiert, und, ich habe da so meine Ahnung….Hast Du die Kartoffeln ins Wasser gelegt vorher? Waren es neue oder “alte” Kartoffeln? Ich glaube, weiss es aber jetzt nicht mehr, entweder soll man nur neue nehmen oder nur gelagerte Kartoffeln…Muss ich mal googeln…

  3. Bolli sagte:

    ähm, das kommt davon, wenn man Blog liest, nebenbei mailt und redet und telefoniert, Du hast gar nicht die galettes sondern die Hintner Knödel….ach so…

  4. Petra sagte:

    Jetzt hab ich ja auch schon wieder was zum Fremdkochen! Deine Niedertemperatur-Entenbrust muss ich unbedingt ausprobieren. Sehr stylish: die Knödelquader! Danke!

  5. Hedonistin sagte:

    Die Knödelwürfel sind äußerst schick!

  6. Eva sagte:

    Danke für all die tollen Anregungen; den Salat ganz am Schluß finde ich auch wunderbar! :-)

  7. Jutta sagte:

    Ich hab zwar noch nichts gekocht, aber auch was gelernt.Jedoch, ich hätte lieber was von den Köstlichkeiten auf dem Teller, jetzt!

  8. Barbara sagte:

    Mir gefallen die Knödelwürfel auch – chic! Der Salat mit den schwarzen Nüssen ist auch klasse.

    Wunderbar!

  9. Zusammenfassung vom Fremdkochen Ente sagte:

    [...] Franz von einfachköstlich hat die Ente gleich auf verschiedene Weisen zubereitet. In Marsala geschmorte Entenkeulen, Entenbrust mit Niedrigtemperatur gegart und dazu noch Rotkohl und Kartoffelknödel. Am Tag danach dann mit Salat. Fremgekocht: xn--einfachkstlich-2pb.com Original: peho.typepad.com Rotkraut: peho.typepad.com Kartoffelknödel: bolliskitchen.com [...]

  10. Sebastian sagte:

    Hallo Franz,
    ich bin mir nicht sicher, ob Du meine E-Mail bekommen hast. Kannst Du mir bitte Deine Adresse schicken, damit ich Dir eine gedruckte Ausgabe des Entenkochbuchs per Post schicken kann?
    Danke und Gruß,
    Sebastian

  11. einfachkoestlich.com » Blog Archive » Jo, is denn scho Weihnochten? sagte:

    [...] Das Rezept stammt aus der Zeitschrift Effilee, aus der ich schon eine absolut überzeugende Niedrigtemperatur-Garmethode für Entenbrust und Hühnerbrust übernommen [...]